Streuobstwiesen in Tiefengruben

Seit dem 01.10.2012  ist der gesamte Obstbestand in Tiefengruben (Streuobstwiesen und Obstgärten) nach der EG-Verordnung Nr. 834/2007 ökologisch zertifiziert. Die Zertifizierung wird jährlich neu beantragt.

Tiefengruben steht mit seiner beispielhaft erhaltenen Anlage als Rundplatzdorf seit 1976 unter Flächen-Denkmalschutz. Der größte Teil dieses Rundplatzdorfes setzt sich aus tortenstückähnlichen Grundstücken zusammen. Die Höfe gruppieren sich radial um den Dorfinnenraum. Bauerngärten mit reichem Obstbestand umgeben den historischen Ortskern. Um diese Gärten schließt sich ein Gürtel aus Streuobstwiesen mit insgesamt rund 1100 hochstämmigen Obstbäumen auf einer Fläche von ca. 12 Hektar. Etwa 70% sind Kernobstbäume (überwiegend Apfel, ca.80 verschiedene Sorten), ca. 28% Steinobst (Süß- und Sauerkirschen, Renekloden und Pflaumen), 2% entfallen auf Walnuss, Quitten, Mispel.

Schon seit Jahrhunderten ist Tiefengruben für sein gutes Obst bekannt. Aus einer Verfügung des  Jahres 1705 geht hervor, dass jeder neue Nachbar im Ort „zum Nutzen und Frommen der Allgemeinheit“ zwölf Obstbäume zu pflanzen hatte. Schon damals waren diese Wiesen wichtige Lieferanten für Obst, Saft, Honig und Futter. Unter den in Tiefengruben bestimmten Sorten befinden sich elf, die bereits 1876 im Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach für den Anbau empfohlen wurden, darunter die Apfelsorten „Danziger Kant“ und  „Königlicher Kurzstiel“.

Die Palette der Erzeugnisse ist vielfältig. Sie reicht von frischem Tafelobst (saftige Äpfel, Birnen, Zwetschgen oder Quitten) bis hin zu raffiniert zubereiteten Marmeladen und Konfitüren. Spezielle Erzeugnisse aus Tiefengrubener ÖKO-Äpfeln sind der Thüringer – ÖKO -  Apfelsaft, naturtrüb bzw. klar und der Thüringer ÖKO-Apfel-Cidre. Des weiteren werden Säfte, Obstweine, Obstbrände, Liköre hergestellt.

Die Bergung der Früchte ist zeitaufwendig und angesichts der Höhe vieler alter Bäume nicht ungefährlich. Ein Teil des Obstes gelangt zum frischen Verzehr sofort an die Käufer. Eine gute Adresse ist dazu seit 1992 der alljährlich am dritten Sonnabend im Oktober stattfindende Obstmarkt in Tiefengruben. Was nicht als Tafelobst geeignet ist, wird auf kürzestem Weg weiter verwertet. Die in Tiefengruben ansässige Annahmestelle zur Lohnmostverarbeitung nimmt in guten Jahren  mehr als 400 Tonnen  Obst an. Mehrmals täglich werden die gefüllten Container direkt  in eine regionale Mosterei gefahren. Je nach Presstechnik beträgt die Saftausbeute bei  100 kg Äpfeln zwischen 60 und 70%. 

Weitere Informationen unter: www.mosterei-badberka.de

Ein riesiger Birnbaum bildet ein lebendes Naturdenkmal. Er ist ca. 150 Jahre alt und steht abseits des Lehrpfades in Richtung Bad Berka eindrucksvoll frei in der ortsnahen Flur.

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Obstlehrpfad Tiefengruben

Wussten Sie, warum das Obst der Tiefengrubener Streuobstwiesen so besonders gesund, welches Tier am engsten mit der Fledermaus verwandt ist oder wie viele Blüten ein Bienenvolk täglich anfliegt?  Antwort auf diese und viele andere Fragen gibt der Lehrpfad in Tiefengruben. Er befindet sich auf dem Ringweg, der sich durch die Streuobstwiesen rund um Tiefengruben zieht. Große Schautafeln enthalten viele wissenswerte Informationen  u.a. zur kulturhistorischen Nutzung der Streuobstwiesen, zu Blüten, Bienen, Vögeln und Fledermäusen, zur Geologie Tiefengrubens, zur Verarbeitung des gesunden Obstes und vieles mehr.

Außerdem sind rund 40 der insgesamt 80 Kernobstsorten entlang des Ringweges gekennzeichnet. Jeweils am Stamm der Bäume befinden sich Kärtchen mit Namen und Kurzinformationen zur Herkunft der Obstsorte, ihrer Pflück- und Genussreife sowie einer kurzen Beurteilung.Ein Insektenhotel bietet kleine „Wohnungen“ für viele Nützlinge, unter ihnen Mauerbienen, Marienkäfer, Florfliegen, Tausendfüßer, Hummeln, Wespen, Rotpunktkäfer und viele andere kleine Bewohner.  Das „Hotel“ ist der Versuch, verloren gegangene Lebensräume der Insekten zu ergänzen und uns Menschen für Fragen der Umwelt zu sensibilisieren.  

Die Ansiedlung der Insekten ist sehr wichtig für Tiefengrubens Streuobstwiesen. Sie helfen bei der Bestäubung der Blüten und tragen zur Verbesserung der Erträge bei. Jährlich stehen in der Obstblüte ca. 30 Bienenvölker bereit.

Angelegt wurde dieser Lehrpfad im Auftrag des Obstbauvereins Tiefengruben e.V.

Unterstützung bei der Erarbeitung gaben:
-          der Obstbauverein Tiefengruben e.V.
-          Dr. agr. Diplomgärtner Werner Schuricht
-          die Stadtverwaltung Bad Berka
-          die Lehr- und Versuchsanstalt Gartenbau in Erfurt
-          das Ministerium für Landwirtschaft, Naturschutz und Umwelt

Funktion der Streuobstwiesen

1. Ökologische Funktion

·         Wertvolles Vernetzungselement zur Stabilisierung im Naturhaushalt
·         Waldähnliche Bodennutzung gegen Erosion
·         Regulation des Wasserhaushaltes, Klimaausgleich, Prägung des Lokalklimas
·         Verbesserung der Luftqualität
·         Schutz der Tier- und Pflanzenwelt durch die Erhaltung der Vielfalt an Arten und Individuen
·         Lebensraum (Biotop) einer Lebensgemeinschaft (Biozönose) von Tieren und Pflanzen
·         Nahrungsquelle für Tiere: Insekten, Reptilien, Kleinsäuger, Vögel (Nist- und Rastplatz), Bienenweide
·         Obstbauliche Genreserve für Resistenzeigenschaften

 2. Ästhetisch- landeskulturelle Funktionen

·         Wichtiges Gestaltungselement zur Gliederung der Kulturlandschaft
·         Bewahrung historisch gewachsener Strukturen des bäuerlichen Lebens als Kulturgut
·         Erhaltung der strukturellen Vielfalt im Baumbestand: Alter, Arten, Sorten, Habitus, Abstand

 3. Volkswirtschaftliche- sozialökonomische Funktion

·         Erholungs- und Freizeitwert in der Nähe von Ballungsräumen
·         Windschutz und Schattenspender für Wanderer in frei zugänglicher Natur
·         Bildungs- und Erziehungswert durch Verfolgung der Obstentwicklung im Jahreslauf
·         Sinnvolle Freizeitnutzung
·         Grundlage für Nebenerwerb
·         Basis für Produktvielfalt: Wirtschafts-, Most-, Brenn- und Tafelobst

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Obstbauverein Tiefengruben

Aufgaben des 1992 gegründeten Vereins sind u.a. die naturgemäße Pflege der Streuobstwiesen, die gezielte Neupflanzung spezieller Sorten, Insekten- und Vogelschutz , die Organisation des jährlich im Oktober stattfindenden Obstmarktes, die Vermarktung des Obstes.

Vorsitzender: Udo Pfotenhauer, OT Tiefengruben, Dorfstraße 41, 99438 Bad Berka

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